So brachte sich Semira den Sport mehr oder weniger selbst bei. Ihr Skitrainer und ihre Schwimmtrainerin unterstützten sie und es stellten sich schon bald die Erfolge ein. Als Juniorin wurde sie mehrfach Schweizermeisterin und nahm auch an Europameisterschaften teil. Zur internationalen Spitze hat es am Ende nicht ganz gereicht, aber die Passion für den Triathlon ist Semira geblieben. «Triathlon ist zwar ein Einzelsport, aber alle Stärkenklassen trainieren zusammen und messen sich auch in Wettkämpfen.»

«Triathlon macht alle zum Teil eines Ganzen»

Coach Brett Sutton

«Triathlon macht alle zum Teil eines Ganzen», sagt auch der Coach Brett Sutton. Mit seinem Umzug ins Engadin hat der Australier die Höhentrainingsbasis St. Moritz zum Treffpunkt von Nachwuchs- und Spitzentriathleten gemacht. Er ist der weltweit wohl bekannteste Triathlon-Coach und hat vom Engadin aus Nicola Spirig zu olympischen Medaillen und Daniela Ryf zu mehrfachen Triumphen beim Ironman in Hawaii gebracht.

Sutton war es auch, der Semira entdeckte. Aber nicht als Athletin, sondern als Trainerin. Neben ihrem Hauptjob hatte Semira schon mehrere Jahre Schwimmunterricht und Trainings für Kinder gegeben und im Sportzentrum Ovaverva oft nah bei den Triathlon-Trainingsgruppen gearbeitet. «Ich sah, dass Semira eine grosse Begabung im Umgang mit ihren Gruppen hat. Sie führt sie gut und hat mehr Disziplin als andere. Und auch die Gruppen lieben sie», sagt Sutton zu den Gründen, weshalb er gerade sie auswählte.

«Als Brett mich dann anfragte, musste ich das erst einmal setzen lassen», erinnert sich Semira. «Ich hatte bei Skiservice einen Ganzjahresjob, den ich sehr gern gemacht habe. Nun voll als Trainerin zu arbeiten, war schon ein grosser Schritt.» Semira folgte ihrem Herzen und ihrer Passion für den Sport und sagte zu. Heute ist sie eine von nur drei jungen Coaches, die Brett Sutton in der Schweiz fördert und an seiner Seite arbeiten lässt.

In Suttons Trainingsgruppe Trisutto sind einige der bekanntesten Spitzenathletinnen und -athleten der Welt, aber auch Nachwuchsleute und Amateure, die für grosse Wettkämpfe, etwa der Ironman-Serie, trainieren. Wie für seine Athleten hat Brett Sutton auch für Semira ein Programm, das sie Schritt für Schritt an ihre Aufgaben heranführt. Im ersten Jahr war sie vor allem Organisatorin und Assistentin, besorgte Unterkünfte und reservierte Trainingsbahnen im Hallenschwimmbad oder Krafträume. 
 

«Ausdauersport ist inneres Wachstum, einen Triathlon schafft man nicht einfach nur körperlich. Die Fitness, das Schwimmen, Radfahren und Laufen machen vielleicht 20 Prozent des Erfolges aus. 80 Prozent finden im Kopf statt. Es ist ein Kampf gegen sich selbst, der sich über mehrere Stunden eines Wettkampfes abspielt.»

Semira Bontognali

«Heute bereite ich als Trainerin mit den Athleten Trainings- und Wettkampfpläne vor, ich bin Motivatorin und manchmal auch die strenge Kontrolleurin, die darauf achtet, dass die Pläne auch wirklich eingehalten werden», sagt sie zu ihren Aufgaben. Manchmal muss sie ihre Athlet:innen auch bremsen, wenn sie sich zu viel vornehmen. «Ausdauersport ist inneres Wachstum, einen Triathlon schafft man nicht einfach nur körperlich. Die Fitness, das Schwimmen, Radfahren und Laufen machen vielleicht 20 Prozent des Erfolges aus. 80 Prozent finden im Kopf statt. Es ist ein Kampf gegen sich selbst, der sich über mehrere Stunden eines Wettkampfes abspielt.»

Neben Erwachsenen trainiert Semira im Verein ‹Home of Triathlon St. Moritz› auch weiterhin Kinder und Jugendliche: «Kinder haben so viel positive Energie. Jedes will individuell abgeholt werden, und sie lernen sehr schnell dazu.» Das Training mit kleineren Kindern besteht aus spielerischen Übungen, um die Technik zu schulen. Wichtig ist viel Abwechslung, um die Begeisterung hochzuhalten. Schon bald kommen dann Wettkampfelemente und immer mehr auch die Ausdauer hinzu.
 

«Man spürt, dass sie mit viel Herzblut arbeitet.»

Nicola Spirig

Olympiasiegerin Nicola Spirig, selbst Mutter von drei Kindern, ist von Semiras Arbeit überzeugt: «Von den Kleinsten in den Kinderschwimmkursen bis zu den Grösseren bei den Triathlontrainings sind alle von ihren Trainings begeistert. Semira ist sehr verlässlich und man spürt, dass sie mit viel Herzblut arbeitet.»

Die Kinder in Semiras Gruppen verbreiten die Begeisterung für den Triathlon im Engadin weiter. «Immer mehr kommen von sich aus auf mich zu und wollen mit dem Sport beginnen», stellt Semira fest. 50 Kinder und 20 Erwachsene trainieren im Verein ‹Home of Triathlon›. Gut möglich, dass hier hoffnungsvolle Nachwuchsathleten heranwachsen. Denn das Engadin ist eine fast optimale Trainingsbasis. «Mit dem Sportzentrum Ovaverva, der Leichtathletikanlage auf der Polowiese, dem schier endlosen Wegnetz und den vielen Tal- und Passstrassen haben wir hier die beste Trainingsumgebung der Welt.»

Das merken auch mehr und mehr erwachsene Athlet:innen. Sie verbringen immer mehr Zeit hier und einige haben sogar ihren Wohnsitz ins Engadin verlegt. «Das Engadin entschleunigt, hier gibt es keine städtische Hektik», sagt Semira dazu. «Es gibt keinen Ort, an dem ich lieber leben und arbeiten würde.» Das musste auch Brett Sutton einsehen: «Semira wird zum Coach von internationalem Format. Aber sie ist ein Kind dieses Tals. Um keinen Preis könnte ich sie dafür begeistern, woanders zu arbeiten. Die Kinder und Erwachsenen hier können sich glücklich schätzen, eine Trainerin ihres Kalibers zu haben.»

«Semira wird zum Coach von internationalem Format.»

Brett Sutton